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Gestillte Bedürfnisse

Das Stillen ist eine Kommunikationsform zwischen Mutter und Baby, die unvergleichlich ist. Alle Sinne werden dabei angesprochen. Allein die Nähe und Intimität verhilft Müttern zu einer schnelleren sicheren Wahrnehmung der Gefühle und Bedürfnisse ihres Babys. Gestillte Kinder erhalten in den ersten sechs Monaten allein schon durch das Stillen etwa 250 bis 300 Stunden mehr Zuwendung als nicht gestillte Kinder. Auch das seelische Gleichgewicht der Mutter wird durch das Stillen positiv beeinflusst, nämlich durch dieselben Hormone, die auch für die Milchbildung verantwortlich sind. Oxytocin bewirkt den Milchspendereflex und wird auch als Hormon der Liebe oder Zärtlichkeitshormon bezeichnet. Prolaktin regt die Milchbildung an und wird als Mütterlichkeitshormon bezeichnet. Das Selbstvertrauen der Mütter wächst im Bewusstsein, dass sie die Bedürfnisse ihres Kindes erkennen und befriedigen können. Dies ist wichtig, denn Babys brauchen sichere Eltern. Ein Neugeborenes wird, wenn es nach der mütterlichen Brust sucht von einem Duft angezogen, den es schon aus dem Mutterleib kennt. Die Aromastoffe aus der Nahrung der Mutter gelangen über das Blut in das Fruchtwasser und später in die Muttermilch. Weil ihm der Duft so vertraut ist, mag jedes Baby die Milch seiner Mutter.

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Auch deshalb hat Stillen eine so beruhigende Wirkung. Wenn ein Baby in Stressmomenten an Vertrautes anknüpfen kann, das heißt an Erfahrungen, die es bereits vor der Geburt im Mutterleib gemacht hat, entspannt es sich rasch wieder. Es lässt sich am besten durch Tragen, Schaukeln, Wiegen, eine vertraute Stimme, den Geruch der Mutter und den Geschmack von Muttermilch beruhigen. Ein Baby sollte immer dann gestillt werden, wenn es Hungersignale zeigt, wie Lecken der Lippen, Schmatzen, Saugen an den Fingern oder Hin- und Her- wenden des Kopfes. Etwa eine halbe Stunde bevor ein Kind vor Hunger weint zeigt es bereits mit den oben genannten Signalen, dass es hungrig ist. Beachtet eine Mutter die kindlichen Signale und reagiert darauf prompt, erfährt der Säugling Sicherheit. Stillen ist eine Form von feinfühliger Interaktion zwischen Mutter und Baby, die die sichere Bindung fördert. Der Körperkontakt, der beim Stillen ganz selbstverständlich besteht, gibt dem Kind die lebenswichtige Nähe und Zärtlichkeit, die es für eine gesunde Entwicklung braucht. Stillen bietet Gelegenheit sich in einer Zeit der Ruhe ganz auf das Kind zu konzentrieren. Eine Stillmahlzeit kann eine gemeinsame „Ruheinsel" für Mutter und Kind sein. Beim Stillen findet ein sehr intensiver Austausch statt: Das Baby macht Trinkpausen, schaut die Mutter an, gibt Laute von sich, trinkt erneut und reagiert auf den Blick und die Ansprache der Mutter. Dem Baby einen festen Still-Rhythmus vorzugeben, indem es nach festen Uhrzeiten gestillt wird wäre nicht im Sinne von Feinfühligkeit und der Förderung einer sicheren Bindung. Die Stillabstände verändern sich im Laufe der Stillzeit. In Wachstumsphasen möchten Kinder viel häufiger trinken und steigern somit die Muttermilchmenge. Mütter sollten dann flexibel darauf reagieren. Gibt es Schwierigkeiten beim Stillen, macht sich häufig Nervosität und Anspannung bei der Mutter breit, die jedes Kind mit seiner feinen Empfindsamkeit wahrnimmt und seinerseits mit Unruhe und Schreien darauf reagiert. Frühzeitige Beratung, z. B. durch eine Stillberaterin IBCLC kann die Situation häufig schnell entschärfen. Dann gibt es bald wieder mehr gemeinsame entspannte, innige und glückliche Momente.

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Meike Kollmeyer Kinderkrankenschwester, Still- und Laktationsberaterin IBCLC, SAFE-Mentorin Mitarbeiterin in der Beratungspraxis Von Anfang an., Erste Hilfe und Beratung für Eltern mit Kindern von 0 bis 3 Jahren